Sloop of War, Corvette*

Dieser Artikel beinhaltet ebenfalls die Stichworte: Brig Sloop, Corvette, Flush decked Sloop, Gedeckte Korvette, Glattdeckskorvette, Korvette, Kriegsbrigg. Im ersten Teil des Artikels wird unter A) beispielhaft die britische Sloop als Kriegsschiffstyp behandelt; unter B) folgen einige Anmerkungen zur "Korvette" und ihrer Entwicklung im späteren 19. Jahrhundert.

Obwohl die Begriffe "Sloop" und "Corvette" in zeitgenössischen Wörterbüchern und Lexika gleichgesetzt wurden, sind nationale Unterschiede zu beachten. In der Royal Navy wurde im Zeitalter der napoleonischen Kriege eine "Sloop" nicht als "Corvette" bezeichnet. Im Französischen wurde der Begriff anscheinend nicht nur für die eigentlichen Marineschiffe, sondern gelegentlich auch für private Kaperschiffe verwendet.

A) Sloop. Nach Falconer (Dictionary of the Marine, 1780) ist dies die "Bezeichnung für die kleinsten Kriegsschiffe, abgesehen von den Kuttern." Sloops waren nicht im Rangsystem klassifiziert (siehe -> Rangeinteilung der Kriegsschiffe). Die Hauptaufgaben der Sloops und Korvetten der Kriegsmarinen lagen in der Aufklärung, Befehls- und Depeschenübermittlung sowie dem Geleitschutz für eigene Handelskonvois . Die britischen Sloops wurden in der Zeit der Koalitionskriege zur Überwachung der französischen Häfen und der Störung des Handels eingesetzt. Durch die Tätigkeit in gefährlichen Küstengewässern gingen der britischen Marine in den britisch - französischen Kriegen von 1793-1815 weit mehr dieser Fahrzeuge durch Unglücke verloren als durch Feindeinwirkung. Entwicklung und Typen: Sloops waren zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Schnauen oder Ketsches getakelt. Eine größere Sloop mit Ketschtakelung war z B. etwa 91 ft lang und führte 8-10 4 oder 6 pfündige Kanonen. Diese Schiffe besaßen kein durchgehendes Oberdeck, ein Achterdeck und eine kleine Back. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts setzten sich bei Sloops die Vollschiffs- und die Briggtakelage durch. Die Bewaffnung schwankte meist zwischen 10 und 18 Kanonen. Im Gegensatz zu Falconers oben zitierter Definition wurden auch Kutter gelegentlich als Sloop klassifiziert, vermutlich aber nur die größeren. Für die Zeit der Revolutionskriege und der anschließenden napoleonischen sind vor allem zwei Typen von Sloops zu unterscheiden:

I.) Quarter decked Ship Sloops. (Sloop mit Achterdeck. "Ship" bezieht sich auf die Takelungsweise als Vollschiff), wie sie in der 2. Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut wurden, entsprachen in ihrer konstruktiven Auslegung einer verkleinerten Fregatte. Sie besaßen ein durchgehendes Oberdeck sowie als unbewaffnete Aufbauten eine Back und ein Achterdeck (= "quarterdeck"). Die Aufbauten waren den Segeleigenschaften dieser kleinen Schiffe allerdings sehr abträglich; sie waren waren zu langsam und hatten einen relativ hohen Schwerpunkt. Sie konnten leicht von größeren, überlegenen Einheiten, insbes. Fregatten, gestellt und aufgebracht werden. Die Schiffe waren zwischen 96 und 110 ft lang und hatten eine Besatzung von etwa 120 Mann. Die Bewaffnung bestand aus einer Batterie von 14 oder  16 und später 18 Sechspfündern und zusätzlich bis Ende des 18. Jahrhunderts einer großen Anzahl kleinkalibriger Drehbassen. Nach der allgemeinen Einführung der Carronaden in der Royal Navy in den 1790er Jahren wurden solche Waffen auch auf den Aufbauten der quarter decked ship sloops aufgestellt.

II.) Flush decked Sloop (Glattdeck-Sloop). Sie besaßen nur ein durchgehendes Oberdeck ohne zusätzliche Aufbauten (also weder Back noch Achterdeck), waren deshalb leichter, seetüchtiger und schneller als die älteren Ship Sloops, die daher an Bedeutung und Anzahl verloren. Die Glattdecks - Sloops lassen sich wiederum in a) "Brig Sloops" und b) "Flush decked Ship Sloops" unterscheiden: a) Brig Sloop (Sloop mit Briggtakelung; Kriegsbrigg). Typische Sloops in den napoleonischen Kriegen waren die britischen Kriegsbriggs der Cruizer - Klasse, die nach 1800 in großer Zahl gebaut wurden (Länge 100ft, 383 tons, 120 Mann Besatzung). Diese Schiffe waren ein sehr guter Kompromiß aus relativ geringer Größe und größtmöglicher Feuerkraft - ihre Hauptbewaffnung bestand meist aus 16* 32pfündigen Carronaden und 2 * 6pfündigen Jagdkanonen. Neben den "Cruizers" war die "Cherokee" - Klasse eine weitere sehr große Gruppe von Kriegsbriggs. Sie führten nur eine Bewaffnung von 10 Geschützen und besaßen wegen zahlreicher Untergänge einen schlechten Ruf als "coffin brigs". Diese Schiffe waren, im Gegensatz zu den Cruizers, für viele der gestellten Aufgaben zu klein, zu langsam und für Kriegsschiffe mit einer Batterie aus 18pfünder - Carronaden zu schwach bewaffnet. Dennoch wurden noch viele nach 1815 gebaut und mit stark reduzierter Bewaffnung häufig als Paketschiffe eingesetzt, aber auch als Vermessungsschiffe. Ein prominentes Beispiel für letzere Verwendung ist HMS Beagle, mit der Charles Darwin 1831 - 36 reiste. Von den Brig Sloops der Cruizer - und der Cherokee - Klassen wurden jeweils über 100 gebaut. Sie gelten damit als die größten Schiffsklassen der Segelschiffszeit. b) Flush decked Ship Sloop (Vollschiffsgetakelte Glattdeck - Sloop). Neben den als Brigg getakelten Glattdeck - Sloops gab es auch solche mit Vollschiffstakelage (Flush decked Ship Sloop); interessanterweise war die Snake - Klasse war nichts anderes als eine "Cruizer" mit Vollschiffstakelage. Die US - Sloop Wasp von 1807 war ursprünglich als Brigg entworfen, wurde schließlich aber als Vollschiff getakelt. Derlei war nicht ungewöhnlich - viele brig sloops wurden zu Barken umgetakelt, weil das große Briggsegel relativ unhandlich war. "Flush decked Ship Sloop" sollte nicht mit "Glattdeckskorvette" übersetzt werden, weil der Begriff "Korvette" in der napoleonischen Zeit in der Royal Navy nicht gebräuchlich war. Konstruktiv waren diese Schiffe jedoch tatsächlich das, was man deutsch als "Glattdeckskorvetten" bezeichnen würde. In der britischen Marine wurden Sloops, egal welcher Takelungsart oder Bauform, vom "Master and Commander" kommandiert, kurz "Commander". Während auf größere Schiffe einen Master besaßen, der für navigatorische Belange zuständig war, erfüllte auf Sloops der Komandant auch diese Funktion, woraus sich die Bezeichnung ergibt. "Bomb Vessels" (siehe -> Mörserschiff) waren meist als Sloops klassifiziert.

 

Shipsloop (

Die Abbildung zeigt oben eine "quarterdecked ship sloop" (16) um 1780 und unten eine "brig sloop" (18) der Cruizer-Klasse. Sie ist besitzt ein Glattedeck.

B) Corvette/ Korvette. William Falconer (Dictionary of the Marine, 1780) übersetzt den französischen Begriff "Corvette" mit "Sloop of war", auch Romme (Dictionnaire de la Marine Française, 1792) setzt den englischen mit dem französischen Begriff gleich. Nach seiner Definition ist die Corvette ein kleines Kriegsschiff mit einer Batterie von niemals mehr als 20 Kanonen. Ihr hervorragendstes Merkmal ist die Geschwindigkeit, da sein Hauptzweck die Depeschen - und Befehlsübermitlung sei. Neben den eigentlichen Marineschiffen wurden anscheinend auch Freibeuterschiffe als Corvette bezeichnet. Als im Verlaufe des 19. Jarhunderts auch preußisch - deutsche Marinen entstanden, übernahm man für die leichten Kriegsfahrzeuge die Bezeichnung "Korvette", die sich inzwischen international für vollgetakelte "Sloops" durchgesetzt hatte.  Neben den sogenannten Glattdeckskorvetten, deren Auslegung jener der oben erwähnten "Flush decked Ship Sloops" entsprach, entwickelte sich auch wieder ein Typ, den man wiederum als verkleinerte Fregatte bezeichnen könnte, nämlich die sogenannte "gedeckte Korvette". Im Laufe der Zeit waren bei den Fregatten Achterdeck und Back miteinander verbunden worden, so daß sich ein durchgehendes "spar deck" ergab. Ebenso war bei den "gedeckten Korvetten" die Batterie duch ein Deck überbaut. Die um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstandenen Fahrzeuge besaßen (neben einer oft schon etwas reduzierten Takelage) zunächst Schaufelrad- , dann Schraubenantrieb.

Die Verwendung der Begriffe "Fregatte" und "Korvette" ist im späteren 19. Jarhundert nicht eindeutig abzugrenzen. Die Benennungspraxis war in den Marinen verschiedener Nationen derart unterschiedlich, daß ein Schiff in der einen Marine als Korvette, in einer anderen als Fregatte klassifiziert worden wäre. Es gab gar Fälle, in denen in einer einzigen Marine ein kleineres Schiff als Fregatte, ein größeres als Korvette bezeichnet wurde. Dies ist vor allem auf die Uneinheitlichkeit des Flottenmaterials während dieser Zeit zurückzuführen, in welcher mit verschiedensten Bauweisen, Bewaffnungsarten und taktischen Ideen experimentiert wurde, so daß es schwer ist, diese Fahrzeuge in ein schlüssiges Klassifizerungssystem zu fassen. Besonders unübersichtlich wurde die Situation, nachdem die Aufstellung von Geschützen in Barbetten und Türmen die traditionelle Breitseitenaufstellung ablöste.

 

Literatur: Goodwin: Bomb Vessel Granado 1742. Anatomy of the Ship - Reihe. (ausführliche Rezension auf der Hauptseite unter "Fachbücher"). Granado wurde als Mörserschiff geplant, wurde aber meist als Sloop eingesetzt, d.h. zu diesem Zweck wurden die Mörser und ihre Bettungen ausgebaut, so daß Granado ohne diese spezielle Bewaffnung als typisch für eine ketschgetakelte Sloop betrachtet werden kann. Petrejus: Das Modell der Brigg Irene. (Ausführliche Rezension im Forum unter "Fachbücher"). Die einzige Monographie über eine Brigg der Cruizer - Klasse. Marquardt: HMS Beagle. Survey Ship Extraordinary. Anatomy of the Ship - Reihe. (Ausführliche Rezension). Beagle war ein Schiff der Cherokee - Klasse. Obgleich sie in diesem Buch vor allem als Vermessungsschiff mit einigen Umbauten gezeigt wird, enthält das Buch auch Angaben zu der Klasse allgemein sowie Pläne insgesamt dreier Cherokees, wie sie für den Marineensatz entworfen wurden. Brommy/ Littrow: Die Marine. Eine gemeinfassliche Darstellung des Seewesens für die gebildeten Stände. Wien, Pest, Leipzig 1877. In diesem Zusammenhang vor allem interessant die Diskussion der Klassifizierungsproblematik der "Korvette" seit der Mitte des Jahrhunderts, S. 245 f., sowie die der Längsschnitt einer schraubengetriebenen gedeckten Korvette auf S. 122 und ein Decksplan auf S.129.