Spanische Marine

Spanien galt im ausgehenden 18. Jahrhundert noch immer als Weltmacht, war bei näherem Hinsehen jedoch nur noch ein Riese auf tönernen Füßen. Dieselbe Einschätzung gilt für die spanische Marine, die noch immer das Hauptinstrument der spanischen Krone war, um ihr weltumspannendes Imperium zusammen zu halten.
Nominell galt die spanische Marine zu beginn der französischen Revolution als die drittstärkste Marine der Welt und soweit es die reinen Zahlen betrifft, war diese Einschätzung auch korrekt. Tatsächlich litt auch sie jedoch unter der Misswirtschaft, die das gesamte spanische Staatswesen zerfraß. Dementsprechend war der vorhandene Schiffsbestand nur teilweise einsatzbereit und Neubauten flossen der Marine kaum zu. Hinzu kamen personelle Probleme, die sich besonders in der schmählichen Niederlage bei Kap St. Vincent widerspiegelten.
Keine andere Seemacht verfügte über so wenige Seeleute aus der Handelsschifffahrt, so dass der Anteil von Landratten an den Schiffsbesatzungen außergewöhnlich hoch war. Das Offizierskorps befand sich ebenfalls in einem schlechten Zustand. Beförderungen wurden eher nach Herkunft oder Geldbeutel als nach Können ausgesprochen, so dass große Teile des Offizierskorps unfähig und viele gute Offiziere desillusioniert waren.
Die Katastrophe bei Trafalgar am 21. Oktober 1805 bedeutete schließlich das Ende der spanischen Seemacht, die sich im Gegensatz zur französischen Marine niemals wieder von den dort erlittenen Verlusten erholen sollte und in der Bedeutungslosigkeit versank.

Organisation

Die spanische Marine gliederte sich in die drei Departements (Departamento Maritimo) Cadiz, Ferrol und Cartagena, was zugleich den wichtigsten Marinebasen Spaniens entsprach. Weitere wichtige Marinehäfen befanden sich in Guarnizo bei Satander und Havanna auf Kuba.
Jedes der Departements stand unter dem Befehl eines Capitán General de Armada und gliederte sich in Provinzen, in denen die Seeleute registriert und eingestuft wurden. Das Departement Cadiz bestand aus 9 Provinzen, Ferrol aus 11 Provinzen und Cartagena aus 10 Provinzen.
Eine Besonderheit der spanischen Marine war die Tatsache, dass sich der Marineschiffbau ausschließlich durch Marinewerften erfolgte. Deshalb bestand innerhalb der Marine ein spezielles Corps, das aus den Schiffbauern und Werftdirektoren bestand, die alle Offiziersränge der Marine bekleideten.
Seit 1717 bestand in Cadiz eine Marineschule zur Ausbildung des Offiziersnachwuchses, die das Ziel hatte, den Kadetten eine ausgewogene Mischung aus der praxisorientierten Offiziersausbildung der Royal Navy und der theoretischen Ausbildung der französischen Marine zu vermitteln. Die Ernennung der Kadetten zum Offizier erfolgte nach Seniorität.
Ebenfalls Teil der Marine waren das Marinecorps und die Marineartillerie. Das Marinecorps bestand aus 12 Bataillonen á jeweils 6 Kompanien. Kommandiert wurde die Marineinfanterie durch Marineoffiziere. Die Marineartillerie bestand aus 16 Brigaden, die den Departements zugeordnet waren und die Kanoniere an Bord der Kriegsschiffe stellten.
Im Jahre 1798 bestand die spanische Marine insgesamt aus cirka 64.000 Seeleuten, 16.000 Marineinfanteristen und 20.000 Handwerkern.